Kriterien für einen Heilwald

Durch die Ausweisung von Heilwäldern soll insbesondere im Umfeld von Fachkliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen die Nutzung von Wäldern für medizinisch-therapeutische Zwecke gesichert und entwickelt werden. Da die Anforderungen in der Regel höher sind als bei Kurwäldern, der Bewegungsradius der Nutzer aber geringer ist, sind eher kleine Waldflächen sinnvoll. Eine räumliche Ein- oder Angliederung von Heilwäldern in oder an Kurwälder ist grundsätzlich möglich und strategisch günstig.

Die Ausweisung des Heilwaldes erfolgt befristet durch ein forstliches und eine medizinisches Gutachten für fünf Jahre. Dabei kann jeweils nach Prüfung durch die Forstbehörde und den medizinischen Gutachter die Verordnung immer dann verlängert werden, wenn die Voraussetzungen weiterbestehen und keine nicht behebbaren negativen Entwicklungen eingetreten sind.

Für die Ausweisung eines Heilwaldes gelten nachfolgende Kriterien:

1. Grundvoraussetzungen

Mindestkriterien

Optimalkriterien

  • Wald im Sinne von § 2 des Landeswaldgesetzes Mecklenburg-Vorpommern
  • Wald mit einer grundsätzlichen Mindestgröße von 10 Hektar, bei Unterschreitung Einbettung in ein größeres Waldgebiet
  • vorliegendes Nutzungskonzept
  • vielfältiges Oberflächenrelief mit geeigneten Anteilen für Menschen mit stärkeren physischen Beeinträchtigungen
  • verkehrsberuhigte Lage, Möglichkeiten zur Steuerung des Publikumsverkehrs
  • besonders attraktive Waldbilder, bemerkenswerte Einzelbäume
  • Wald mit blickdichten Anteilen zur Sicherstellung von Geräuschdämpfung, Sicht- und Windschutz
  • Landmarken, Ausblicke auf die umgebende Landschaft, Aussichtspunkte
  • Wald mit unterholzarmer/-freier Freifläche, die als Ruhe- oder Liegeplatz oder als Bereich für therapeutische Behandlungen geeignet ist
  • Gewässernähe

2. Lokalklima und Immissionsschutz

Mindestkriterien

 

  • Lokalisation in einem Klimabereich mit günstigen bioklimatischen Bedingungen und hoher Luftqualität, ähnlich wie in Erholungsorten
  • emissionsarme Luft, Abwesenheit von Schadstoffemissionsquellen, die die Luftqualität des Waldes negativ beeinträchtigen könnten, z.B. stark befahrene Straßen oder industrielle Anlagen
  • Abwesenheit von Schallimmissionsquellen in unmittelbarer Nähe, z.B. stark befahrene Straßen oder industrielle Anlagen
  • Vorliegen entsprechender Gutachten zu Luftqualität und Lärm
  • Wald ohne Windräder, Stromtrassen, Mobilfunkmasten etc.
  • allergenarme Luft

3. Infrastruktur

Mindestkriterien

Optimalkriterien

  • Sitz- und Ruhegelegenheiten
  • Geräte für therapeutische Anwendungen zur Motorik und Fitness in Abhängigkeit vom Nutzungskonzept, z.B. für Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische, onkologische, orthopädische oder psychosomatische Erkrankungen, in Teilen auch geeignet für Menschen mit Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen
  • ausgewiesene Fläche für therapeutische Behandlungen
  • ausgewiesene Verweileinrichtung, überdacht und windgeschützt
  • ausgewiesene Fläche für Entspannungsübungen
  • Kneipp-Anlage
  • Parkplatz für Individualverkehr, fußläufig erreichbar
  • Trimm-Dich-Pfad, Waldlehrpfad, Pfad zur Sinneswahrnehmung etc.
  • Behindertenparkplatz, einschließlich behindertengerechter Zuwegung
  • Erreichbarkeit per ÖPNV, Haltepunkt fußläufig erreichbar
  • öffentliche sanitäre Anlagen, fußläufig erreichbar
  • Fahrradstellplatz direkt vor Ort
  • ausgewiesener Rettungspunkt (mit dem Rettungswagen erreichbar)

4. Wegenetz, Beschilderung und Barrierefreiheit

Mindestkriterien

Optimalkriterien

  • Übersichtskarte des Heilwaldes, in der alle infrastrukturellen Einrichtungen, das Wegenetz inklusive grafischer Darstellung des Wegeprofils mit Weglängenangabe, Belastungsstufen und Schwierigkeitsgraden, Flächen für Entspannungsübungen/therapeutische Behandlungen und der Rettungspunkt verzeichnet sind
  • Informationen zur Allergenbelastung bei jahreszeitlichen Spitzen, unter Berücksichtigung des jeweiligen Baumbestandes
  • Corporate Design-konforme Verwendung der Wort-Bild-Marke, entsprechend der Waldkennzeichnungsverordnung Mecklenburg-Vorpommern
  • Informationen zu gesundheitsfördernden Wirkungen der Pflanzen-/Baumarten bzw. deren Zusammenwirken, zu naturkundlichen Besonderheiten etc.
  • Informationen/Anleitung zur indikationsbezogenen Gesundheitsförderung sowie zu den therapeutischen Angeboten und Möglichkeiten
  • Wegweiser mit Hinweisen zu besonderen Sehenswürdigkeiten, bspw. bemerkenswerte Einzelbäume, attraktive Waldbilder und/oder Denkmäler, Brunnen oder historische Orte
  • Beschilderung des Rettungspunktes
  • Anbieten von Apps oder anderen digitalen Informationsangeboten, die Möglichkeiten zur eigenständigen Nutzung des Heilwaldes bieten, denkbar auch als interaktive Infotafeln
  • gut erreichbare, barrierefreie Teilstrecken, welche für Menschen mit Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen geeignet sind
  • überwiegend unversiegelter Bodenbelag

5. Fachpersonal

Mindestkriterien

Optimalkriterien

  • gesundheitsorientierte Einrichtung in unmittelbarer Nähe (z.B. Klinik, Reha-Zentrum, Praxis)
  • spezielle therapeutische Angebote für Kinder und Jugendliche
  • regelmäßige Angebote durch medizinisches Fachpersonal, bspw. Waldtherapeuten, Heilwaldtherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychotherapeuten, Klimatherapeuten, Psychologen, Fachärzte
  • gesundheitsbildende Angebote durch begleitende Aktivitäten benachbarter gesundheitsorientierter Einrichtungen, bspw. zur Entspannung, körperlichen Aktivität oder Ernährung
  • waldbezogene (Gesundheits-)Leistungen regionaler Anbieter

 


Wegweiser zur Entwicklung
von Heilwäldern und Kurwäldern
(PDF 4,12 MB)